Muskel und Geist

Muskel und Geist

Muskel und Geist

  • Deutsch-jüdische Männlichkeiten in Palästina/Israel nach 1933

  • Patrick Farges
    aus dem Französischen von Markus A. R. Hiltl und Patrick Farges

  • Jüdische Kulturgeschichte in der Moderne, Bd. 39
  • Softcover, 15 x 21 cm, 360 Seiten
    Erscheinungsdatum: 30.06.2026
    978-3-95808-522-0
    30,00 € *

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    Dieser Artikel erscheint am 30. Juni 2026

    • 9783958085220
    • Jüdische Kulturgeschichte in der Moderne
    • Bd. 39
  • Auch als E-Book erhältlich.
  • Die zunehmende NS-Verfolgung in Deutschland und Zentraleuropa zwang Zehntausende... mehr

    Männlichkeit in Bewegung: Eine andere Geschichte der deutsch-jüdischen Emigration nach Palästina

    Die zunehmende NS-Verfolgung in Deutschland und Zentraleuropa zwang Zehntausende deutschsprachige Jüdinnen und Juden in den 1930er Jahren zur Emigration. Internationale Aufnahmehürden in Zeiten der Weltwirtschaftskrise führten dazu, dass viele im Mandatsgebiet Palästina Zuflucht suchten. Patrick Farges untersucht diese deutschsprachige jüdische Migration nach Palästina erstmals unter dem Blickwinkel der Männlichkeit: Gestützt auf vielfältige Selbstzeugnisse – Oral-History-Interviews, Autobiografien und Briefe – eröffnet er so neue Einblicke in die jüdische Kulturgeschichte.

    Männlichkeitsgeschichte wird dabei als relationale und intersektionale Geschichte verstanden, die Dominanzverhältnisse sowohl zwischen Männern und Frauen als auch unter Männern sowie soziale und rassifizierte Ungleichheiten berücksichtigt. Geschlechtsspezifische Unterschiede prägten Sozialisation, Migration, Integration, Erinnerung und Alltagserfahrungen derjenigen, die in den 1930er Jahren nach Palästina auswanderten und sich ab 1948 im neu gegründeten Staat Israel integrierten. Für die Betroffenen bedeutete die Alija nach Eretz Israel einen tiefgreifenden Bruch, der soziale Bindungen, kulturelle Identität und Geschlechterrollen veränderte. An dieser Schnittstelle konkurrierten unterschiedliche Vorstellungen davon, wie man sich ‚als Mann‘ zu verhalten habe.

    Im nahezu permanenten Kriegszustand seit den 1930er Jahren stellte es eine besondere Herausforderung dar, den zionistischen Idealen von Muskeljudentum, (männlicher) Regeneration und jüdisch-nationaler Wehrhaftigkeit gerecht zu werden. Dabei entsprach die zentraleuropäisch-bürgerliche Männlichkeit der Neueinwanderer kaum den Erwartungen des Pioniers (chaluz), Neuen Juden oder Kibbuzniks. Einige unter den ‚Jeckes‘ erkannten zudem Parallelen zwischen dem maskulinistischen israelischen Nationalismus und jenem, der sie aus Europa vertrieben hatte. Daraus erwuchs die Spannung zwischen Muskel und Geist.